Aktuell

Gleichzeitig mit der Eröffnung des Kulturzentrums im Schirrhof finden die offenen Ateliers in Kamp-Lintfort am 10. und 11. Juli 2021  von 12 bis 18 Uhr statt. Die Künstlerinnen des Schirrhofes haben Maria Lehmbrock eingeladen, ihre neuen Arbeiten im linken oberen Bereich vor ihren Ateliers auszustellen. Dem kommt sie dankbar nach und freut sich, erstmals auch ihre Arbeiten der neuen Werkgruppe „Signum“ zu zeigen.

Die Kurse der Kunst- und KreativFabrik finden wieder statt. Maria Lehmbrock bietet einen 1tägigen Workshop bei Boesner in Witten am 20.09.2021 an. Es dreht sich alles um die Farbe Rot. Der Kurs ist unter Kurse Boesner „WIT – 21 – 106“ zu buchen. Wir arbeiten von 10:30 bis 16:30 Uhr.

Sie sind herzlich willkommen: zu den offenen Ateliers und zum Kurs Monochrome Malerei in Rot.

Definition von Linum
Linum kommt aus dem Lateinischen. Die Bedeutung umfasst die Begriffe: Lein, Flachs, aus Leinen Gefertigtes, Bindfaden, Schnur, Leinwand, Tuch, Seil, Tau, Netz (siehe: Langenscheidts Taschenwörterbuch der Lateinischen und Deutschen Sprache, Berlin, München, Zürich 1963)

Linum
Maria Lehmbrock präsentiert ihre Werke seit über 30 Jahren sowohl in Gemeinschafts- als auch Einzelausstellungen. Die hier gezeigten Arbeiten stammen ausschließlich aus ihrer aktuellen Werkphase „Linum“.

In der Arbeitsweise von Frau Lehmbrock gibt es keine Vorstudien oder Skizzen. Nach ihrer bewussten Entscheidung eine Arbeit zu beginnen, ist der angestrebte Arbeitszustand ein konzentriertes meditatives Versinken in der Tätigkeit. Frau Lehmbrock selbst bezeichnet es als ozeanisches Gefühl.

Es ist diese Tiefe, diese Konzentration im Tun, und damit verbunden ein Leichtigkeitsempfinden, die sie dann in sich spürt. Ein immer wiederkehrendes Element ist dabei der Automatismus, denn sie bevorzugt sich wiederholende Gesten. Es ist ein Prozess, bei dem sich Strukturen bilden, sich wieder auflösen bzw. aufgelöst werden, ein „…Spielen um des Spielen willens…“ (aufkommende Assoziationen an das „Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse sind hier durchaus beabsichtigt).

Frau Lehmbrock bestückt ihre Leinwände meist bis zur Unkenntlichkeit, so dass die eigentliche Leinwand als solche nicht mehr zu identifizieren ist und überzieht am Ende alles mit weißer Farbe oder setzt zumindest weiße Akzente. Dadurch wird die Arbeit in sich harmonisiert und die Materialien ihrer „irdischen Materialität“ enthoben.

Die Struktur ist der zentrale formale Faktor in der Werkserie, denn aus schlichten Materialien sind Objekte entstanden, die in dieser Konstellation so im Alltag nicht vorkommen. Leinen, Mull, Garn, Filz, Draht, Papier, Folien und Holz zählen zu den banalsten Alltagsmaterialien, deren spezifische Materialbeschaffenheit die Struktur bestimmt und so konkrete Realität in das abstrakte Bild bringt. Sie nehmen aber hier eine Position außerhalb jeder direkten Funktionalität im Alltagsfluss ein. Auch formal schlägt sich der Impuls des Innehaltens und der Nachbetrachtung nieder, denn die Kompositionen spiegeln Lehmbrocks Ideen, Sichtweisen und Erfahrungen.

Verpacken, zerschneiden und die Verwendung von Alltagsmaterialien sind grundlegende Komponenten der Nachkriegskunst, die zwar auf noch frühere Arbeiten zurückgreifen – so etwa Kurt Schwitters und Hans Arp, aber erst mit der Demokratisierung von kreativen Produktionsmitteln in den Blickpunkt rückten. Galt es im Mittelalter noch handwerkliche Spezialkenntnisse zu erwerben, um überhaupt eine Malerei oder ein plastisches Bildwerk ausführen zu können, verwenden die Protagonisten der heutigen Kunst oft handelsübliche Materialien, um Form und Inhalt direkter angehen zu können. Es liegt eine Reduziertheit, ja eine Bescheidenheit der künstlerischen Geste vor, die in ihrer Konzentration etwas sehr Meditatives mit sich führt. Sicher ist es auch das, was Maria Lehmbrock mit intuitiver Kunst meint, dass der kreative Akt selbst ihr Innerstes frei legt.

Lehmbrocks abgebildete Werke werden durch ein spannungsvolles Miteinander von kreativer Phantasie und konsequenter Gestaltung bestimmt. In ihrer meditativen Arbeitsweise entwickelt sich in ihr ein Gespür, was das Werk an gestalterischen Elementen braucht. Dabei bietet ihr serielles Arbeiten mehr Spielraum, in dem sie sich mit bestimmten Formsprachen auseinandersetzt: Einerseits zart und verletzlich, andererseits kraftvoll und selbstbewusst.

Auszüge aus dem Text „Linum“, von Deike Dowald, 2016